Pessach

Vom 7. - 15. April feiern wir Pessach

Pessach findet 2012 vom 7. April bis 15. April statt und gehört zu den zentralen Festen des

Judentums. Es wird auch Passa(h) genannt und erinnert an den Auszug aus Ägypten, also die Befreiung der Israeliten aus der dortigen Sklaverei, mit der sie nach dem Tanach als eigenes, von Gott erwähltes Volk in die Geschichte eintraten. Die Nacherzählung (Haggada) verbindet jede neue Generation der Juden mit ihrer Ursprungsgeschichte.

Pessach wird in der Woche vom 15. bis 22. Nissan als Familienfest mit verschiedenen Riten gefeiert, darunter dem Seder und dem einwöchigen Verzehr von Matzot. Deshalb heißt es auch "Fest der ungesäuerten Brote". Das Pessachfest dauert sieben Tage, in der Diaspora bei orthodoxen Juden acht Tage. Während dieser Zeit darf gemäß Gottes Gebot nichts Gesäuertes(hebräisch Chametz) verzehrt werden noch sich im Haus befinden. Dies wurde in der rabbinischen Tradition auf alle Speisen, die in irgendeiner Weise mit Gesäuertem in Berührung kamen, ausgedehnt. Sie dürfen an Pessach weder zur Zubereitung oder Darreichung von Speisen, ja nicht einmal zur Viehfütterung genutzt werden. Als Säuerndes gilt jede der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel, die für mindestens 18 Minuten mit Wasser in Kontakt kam, sowie jede Speise und jedes Getränk, das aus einer dieser Getreidesorten hergestellt ist oder sie enthält. In der Zeit des Zweiten jüdischen Tempels gehörte Pessach zusammen mit Schawuot (Wochenfest) und Sukkot (Laubhüttenfest) zu den drei israelitischen Wallfahrtsfesten, an denen die Gläubigen nach Jerusalem zum Tempel auf dem Tempelberg pilgerten, um dort zu opfern. An den ersten beiden Abenden von Pessach leiten wir einen Seder - ein festliches und feierliches Ereignis. An einem Tisch, königlich geschmückt mit unserem besten Kristall und Silber und den feinsten koscheren Weinen, erleben wir erneut den Auszug aus Ägypten in alten Zeiten. Wir beten auch für die schnelle Erlösung in unseren Tagen. Am Seder ist es so, als ob jeder Einzelne aus Ägypten zieht. Wir beginnen mit unseren Vorfahren Abraham, Jizchak und Jakob; wir sind mit unserem Volk, wenn es ins Exil geht und grausame Unterdrückung und Verfolgung erleidet. Wir sind mit ihm, wenn G-tt die zehn Plagen schickt, um den Pharao und seine Nation zu bestrafen, wir sind mit unserem Volk, wenn es Ägypten verlässt und wenn es das Rote Meer überquert. Und wir sind Zeugen der wundervollen Hand G-ttes, die das Meer teilt, so dass die Israeliten hindurch können, und wie dann das Meer über die ägyptischen Legionen hereinbricht. Drei Mazzot werden auf dem Tisch vorbereitet, eine über der anderen. Sie sind symbolisch für die drei Arten von Juden: Kohen, Levi und Israel. Sie erinnern auch an die drei Mass feinen Getreides, das Abraham Sara geheissen hatte in die Mazzot einzubacken, als die drei Engel sie besuchten. Und wenn wir später von der mittleren Mazza brechen, haben wir immer noch zwei ganze Laiber übrig für 'Lechem Mischne' wie an jedem Schabbat und allen Feiertagen. Auf ein Tuch, das über den Mazzot gebreitet ist, oder auf einer Platte, sind folgende Dinge plaziert:

Sroa - der gebratene Hühnerhals. (Vorbereitung: Entfernen Sie vom Hals den grössten Teil des Fleisches und braten sie es von allen Seiten. Es ist symbolisch für das Pessach-Opfer im Heiligen Tempel in Jerusalem am Nachmittag vor Pessach.

Beiza - Das hartgekochte Ei. Es ist symbolisch für das Feiertagsopfer, das im Heiligen Tempel als Zusatz zum Pessach-Lamm dargebracht wurde.

Maror - Bittere Kräuter (Vorbereitung: Schälen und reiben Sie rohen Meerrettich und/oder trennen sie die Blätter von Endivien). Es ist ein Symbol für die bitteren Leiden der Juden in Ägypten.

Charoset - Eine Mischung aus gehackten Äpfeln, Birnen, Walnüssen und einer kleinen Menge Wein (roten, wenn möglich). Diese Mischung ähnelt dem Mörtel, der von den Juden benutzt wurde, um Ziegelsteine herzustellen, damals als sie Sklaven in Ägypten waren.

Karpas - gekochte Kartoffel oder rohe Zwiebel.

Chaseret - weitere bittere Kräuter. Wird als 'Maror' im 'Sandwich' später am Seder benutzt.

Der Seder beginnt mit dem Kiddusch, der die Heiligkeit des Feiertages ausruft. Er wird über ein Glas Wein gesprochen und es ist das erste von vier Gläsern Wein, die wir alle - zurückgelehnt - trinken.

Es gibt zwei Erklärungen für die vier Gläser: Vier Ausdrücke für Freiheit und Befreiung werden in der Tora im Zusammenhang mit der Befreiung aus Ägypten erwähnt (Ex. 6:6,7). Die Kinder Israel hatten, selbst im ägyptischen Exil, vier große Verdienste:

Sie änderten ihre hebräischen Namen nicht,

Sie hielten an der hebräischen Sprache fest,

Sie blieben im höchsten Sinne moralisch,

Sie blieben einander gegenüber loyal.

Man verwendet Wein, weil er das Symbol von Freude und Glückseligkeit ist.

Während wir die vier Gläser trinken, ebenso wie fast den gesamten Seder hindurch, lehnen wir uns auf die linke Seite, um zu betonen, dass wir freie Menschen sind. Denn in allen Zeiten durften sich nur freie Menschen während des Essens zurücklehnen.

Wir waschen uns die Hände in der vorgeschriebenen Art wie vor einem Essen, aber ohne den rituellen Segensspruch. Der nächste Schritt im Seder, Karpas, verlangt, dass man die Speise ins Wasser tunkt. So ein Akt verlangt, dass man sich die Hände zur Reinigung vorher wäscht. Dies ist eine der ersten Aktionen, die die Neugier der Kinder wecken soll.

Ein kleines Stückchen Zwiebel oder gekochte Kartoffel wird in Salzwasser eingetunkt und gegessen. Vor dem Essen spricht man den Segen über Gemüse. Dieser Akt ist ein Akt der Freude und Freiheit, der weitere Neugier wecken soll. Der vierte hebräische Buchstabe des Wortes 'Karpas' ergibt, wenn man das Wort rückwärts liest, den Zahlenwert der 600 000 Juden in Ägypten (Samech = 60 x 10 000), die gezwungen waren, schwerste körperliche Arbeit auszuführen (die drei anderen Buchstaben ergeben das Wort 'Perech' - harte Arbeit). Das Salzwasser repräsentiert die Tränen unserer Vorfahren in Ägypten.

Die mittlere Mazza wird in zwei Teile gebrochen. Der größere Teil wird zur Seite gelegt, um später als Afikoman benutzt zu werden. Diese ungewöhnliche Aktion erregt nicht nur die Aufmerksamkeit des Kindes von neuem, sondern erinnert auch an die Teilung des Roten Meeres mit G-ttes Hilfe, um so einen Weg für die Kinder Israels zu schaffen, damit sie trocken hindurch ziehen konnten. Der kleinere Teil der Mazza wird auf die Sederplatte zurückgelegt. Dieser zerbrochene Teil symbolisiert Bescheidenheit und wird später als "Brot der Armut" gegessen.

An dieser Stelle wird der Arme eingeladen, am Seder teilzunehmen. Die Sedertafel wird zur Seite geschoben, ein zweiter Becher Wein wird gefüllt. Und nun wird das Kind, das beinahe platzt vor Neugier, die zeitlosen Fragen stellen: "Ma nischtana, halaila hase mikol halailot? - Warum ist diese Nacht anders als die anderen Nächte?" Warum nur Mazza? Warum das Tunken? Warum die bitteren Kräuter? Warum entspannen wir uns, lehnen uns an Kissen, als ob wir Könige wären? Die Fragen des Kindes weisen auf die besondere Mizwa von Pessach hin und auf das "Highlight" der gesamten Sederzeremonie: Die Haggada, die Geschichte vom Exodus aus Ägypten. Die Antwort beinhaltet einen kurzen Überblick, eine Beschreibung der Leiden, die den Israeliten auferlegt waren, eine Liste der Plagen, die über die Ägypter hereinbrachen, und eine Aufzählung der Wunder, die vom Allmächtigen zur Bildung und Erlösung seines Volkes vollbracht wurden.

Nachdem der erste Teil der Haggada mit dem Trinken des zweiten Bechers (angelehnt) beendet wurde, werden die Hände gewaschen - diesmal mit dem üblichen Segen wie vor dem Essen des Brotes.

Indem man die drei Mazzot anhebt, wird der übliche Segen über Brot gesprochen. Dann legt man die untere Mazza wieder auf den Tisch und spricht über die beiden oberen Mazzot den Segen "Al achilas Mazza". Dann breche man mindestens 28 gr. von jeder Mazza und esse beide Stückchen zusammen und zurückgelehnt.

Nehmen Sie mindestens eine Menge von 21 g bitterer Kräuter. Tunken Sie sie in den Charoset, dann schütteln Sie ein wenig ab und sprechen den Segen "Al Achilas Maror". Essen Sie ohne sich anzulehnen.

Man hält sich an eine Tradition, die von Hillel, einem großen talmudischen Rabbi, eingeführt wurde, indem man ein Mazza-Sandwich mit Maror isst. Brechen Sie zwei Stück von der unteren Mazza, die zusammen mindestens 28 gr. ausmachen. Dann nehmen Sie wieder 21 gr. Maror und tauchen sie ihn in den Charoset. Dies wird nun zwischen die zwei Mazzastückchen gelegt, dann spricht man: "Keyn asa Hillel..." und man isst das Sandwich angelehnt

Nun wird das Festessen serviert. Wir beginnen es mit einem hartgekochten Ei, das in Salzwasser getunkt wird. Ein Rabbi wurde gefragt, warum Juden an Pessach Eier essen. 'Weil Eier den Juden symbolisieren', antwortete der Rabbi, je mehr ein Ei gebrannt und gekocht wird, desto härter wird es." Achtung: Der Hühnerhals wird am Seder nicht gegessen.

Nach dem Essen wird die versteckte halbe Mazza, die man vorher für den Afikoman weggelegt hatte, als "Nachspeise" gegessen. Sie symbolisiert das Pessachlamm, das man am Ende der Mahlzeit gegessen hatte. Jeder sollte mindestens 42 g der Mazza vor Mitternacht essen, angelehnt natürlich. Nach dem Afikoman trinken wir nichts mehr, ausser den zwei noch ausstehenden Gläsern Wein.

Ein dritter Becher wird gefüllt und der Danksegen gesprochen. Danach spricht man den Segen über den Wein und trinkt den dritten Becher, zurückgelehnt. Nun füllen wir den Becher Elijas und unsere eigenen mit Wein. Wir öffnen die Tür und rezitieren die Passage, die eine Einladung an den Propheten Elija symbolisiert, denn er ist der Vorbote der Ankunft des Maschiach.

An dieser Stelle, nachdem wir den Allmächtigen und Seine einzigartige Führung Seine Volkes Israel anerkannt haben, machen wir weiter und singen sein Lob als Herrn des ganzen Universums. Nach dem Hallel sprechen wir wieder den Segen über den Wein und trinken das vierte Glas - zurückgelehnt.

Nachdem wir den Seder vorschriftsmäßig ausgeführt haben, können wir sicher sein, dass alles von dem Allmächtigen wohl angenommen worden ist. Dann sagen wir: 'Leschana Haba'a Bi Jeruschalajim' - Nächstes Jahr in Jerusalem!

Pessach kasher ve sameach